Ein Bericht von Selina Hahn und Rebekka Gingell

„Kann ich für alle einchecken?“ fragte Herr Bock am Flughafen in Frankfurt. „Haben Sie denn alle den gleichen Namen?“ antwortete die Frau. Und so begann unsere Reise als „Familie Bock“. Mit dabei: Die Vierlinge Caroline, Anne, Rebekka und Selina und unser Adoptivbruder Kevin.
Nach stundenlanger Reise kamen wir mitten in der Nacht am Flughafen in Nairobi an. Empfangen wurden wir vom Duft der verbrannten Ankunftshalle und Zelten, die mit Stühlen gefüllt waren. Da wir sowieso nur zwei Stunden zum Schlafen hatten, bis unser Frühstück serviert wurde, riet uns Herr Dörr, der mit seiner Familie bereits im Hotel (eine Straußenfarm) wartete, erst gar nicht damit anzufangen. Trotz Herr Dörrs Rat lagen wir alle nach nur kurzer Zeit schlafend im Bett. Leider reichte uns die Zeit im Bett nicht aus und die Couch im Kinderheim musste als Ersatz genutzt werden, was zu Irritationen der älteren „Kinder“ führte. Wir spielten trotz Müdigkeit mit den Kindern und konnten unseren ersten Tag wirklich genießen. Am Ende des Tages hatten wir das Gefühl, schon ewig da gewesen zu sein.
Der zweite Tag begann mit der Behandlung einer von Hunden attackierten Ziege, das Ziegen-Trauma hielt einige Zeit an. Während die Ziege so vor sich hin starrte, führten wir ein interessantes Gespräch mit den Älteren.Im Kinderheim trafen wir auf Mirjam und Emily, die bereits seit einigen Wochen dort wohnten. Nachdem die Zeit beim Unterhalten wie im Flug vergangen war, bekamen wir die Aufgabe, Wände und Fenster zu putzen. Für uns alle war es das erste Mal, Wände zu putzen, aber zu unserer Überraschung macht das mehr Sinn als die Fenster zu putzen. Die Fenster waren leider nicht wirklich sauber zu kriegen, trotzdem schienen die Kinder von unserem Teamwork fasziniert: da die Fenster so hoch waren, setzte sich jeweils einer auf einen Stuhl und ein anderer nutzte die Lehne als Leiter.
Am Nachmittag spielten wir mit den Kindern und führten weitere Unterhaltungen mit den Älteren.


Als Mirjam und Emily mit 60 Eiern und vielen weiteren Zutaten vom Einkaufen zurückkamen, begannen wir, den Teig für die Pfannkuchen vorzubereiten. Das übernahmen unsere beiden Lehrer mit etwas Hilfe der Kinder. Wir hatten „etwas“ zu viel Pfannkuchen Teig gemacht und verbrachten den restlichen Abend damit, Pfannkuchen zu machen und diese mit Nutella und Erdnussbutter zu beschmieren. Die Kinder erwiesen sich beim „Pfannkuchenwenden“ als echte Naturtalente! Selbst als wir gingen, war noch Teig übrig, der dann noch bis spät abends zu Pfannkuchen verarbeitet wurde.
Nach zwei Tagen im Kinderheim, ging am dritten Tag die Fahrt zu unserer Safari los. Nach ca. 5 Stunden Fahrt kamen wir in unserer Unterkunft mitten in der Maasai Mara an. Wir waren in Zelten, die mit Strohdächern überdacht waren, untergebracht.
Trotz anstrengender Fahrt ging es abends noch auf eine zweistündige Safari. Wir hatten großes Glück und fanden eine Löwenfamilie, bestehend aus mehreren Löwinnen und vielen Jungen, die sich auf einem Stein ausgebreitet hatte. Herr Bock hatte auch Augen für das Kleine und machte uns auf die „riesige Eidechse“ am Rand des Steines aufmerksam.






Müde und erschöpft von der Hinfahrt ging es am Abend recht pünktlich ins Bett.
Den zweiten Tag verbrachten wir fast ausschließlich im 9-Sitzer Jeep. Wir konnten einen Geparden, Elefanten, Giraffen, Gnus, Zebras und andere Tiere bestaunen.






Unser vom Hotel vorbereitetes Picknick aßen wir mitten in der Natur, was eine besondere Atmosphäre schuf.
Anschließend fuhr unser Fahrer uns an die Grenze zu Tansania und an den Mara-Fluss. Dort führte uns ein Ranger am Ufer entlang zu den Krokodilen und den Flusspferden. Leider bekamen wir auch viele tote Gnus zu sehen, da diese oft beim Überqueren des Flusses oft sterben.
Nach der Safari hatten wir noch die Möglichkeit, ein Maasai-Dorf zu besichtigen. Rebekka und Selina verzichteten aber darauf. Die anderen genossen den Einblick in das Leben der Maasai und ließen sich gerne durchs Dorf führen. Der letzte Tag der Safari startete recht früh am Morgen. Nachdem wir erst einige Zeit sehr wenig zu sehen bekamen, sahen wir zwei Löwinnen mit ihren Jungen.
Unser Fahrer hatte (zu unserem Glück) kein Problem damit, anderen Autos in den Weg zu fahren, um uns eine möglichst gute Sicht zu ermöglichen. Auf dem Rückweg fuhren wir durch Nairobi und uns wurde zum ersten Mal wirklich der Unterschied zwischen reich und arm klar. Da wir keinen Stau in der Stadt durchqueren mussten, kamen wir noch rechtzeitig zum Fest.
Beim Fest handelte es sich um die 10-jährige Feier des Kinderheims. Viele Menschen, die das Kinderheim finanziell oder anderweitig unterstützen, waren anwesend. Es waren Festzelte und sogar eine Hüpfburg aufgebaut. Es wurden Reden gehalten und es gab Ziegenfleisch und Kuchen zu essen. Es war für uns alle sehr interessant, all die Menschen kennenzulernen, die hinter “Karibu Openhand“ stehen.
Der nächste Tag verlief wieder etwas ruhiger. Nachdem wir zu Mittag gegessen hatten, machten wir einen Spaziergang durch das Gebiet, das um das Kinderheim herum liegt. Wir waren am größten Fluss der Umgebung, dieser war aber ausgetrocknet, da im Moment keine Regenzeit war.
Außerdem konnten wir die Aloe Vera-Pflanze probieren. Diese überzeugte uns aber nicht mit ihrem Geschmack, der extrem bittere Geschmack schreckte uns eher ab. Auf dem Spaziergang „begegneten“ wir auch noch ein paar Zebras und Gazellen.
Der Sonnenuntergang war wirklich beeindruckend und ein perfekter Abschluss des Tages.






Nairobi besichtigen. Das war der Plan für den 26.08. Wir fuhren mit einem Matatu (ein kenianischer Kleinbus) zum Kinderheim, um dort die Älteren abzuholen und anschließend ins Stadtzentrum zu fahren. Nachdem wir das Parlament gesehen hatten, gingen wir auf den Markt und in einige Stoffläden. Während wir für unsere Familien und Freunde Souvenirs kauften, tranken die anderen Sodas. Dann ging es auf das Kenyatta Conference Center. Heike (Frau Dörr), Kevin, Emily und Selina wollten den überfüllten Aufzug nicht nehmen und liefen das circa 35 stockwerkhohe Gebäude zu Fuß hoch. Oben angekommen beeindruckte der Ausblick über die Stadt und ein Angestellter zeigte uns die wichtigsten Gebäude.

Wieder unten angekommen liefen wir zu einem nahegelegenen Restaurant und aßen zu Mittag. Für den Tag war aber noch etwas anderes geplant, nämlich das Haus zu besichtigen, in dem das Kinderheim früher war. Also fuhren wir mit dem Matatu in das Halb-Slum Githurai 44 und waren von den neuen Eindrücken überrumpelt. Erst hier wurde uns wirklich klar, was Armut bedeutet. Die Menschen, die dort leben, scheinen trotzdem recht glücklich. Die Kinder gaben uns HighFive und nannten uns Muzungus (Weiße), vor allem Kevin war schnell als „Chinese“bekannt. Nach einem anstrengenden Tag, an dem wir viele neue Eindrücke gesammelt hatten, ging es wieder zurück ins Hotel. Wie auch die Abende zuvor genossen wir Tusker, ein afrikanisches Bier, oder afrikanische Fanta (sie ist sehr viel besser als die Deutsche!) und unterhielten uns mit dem sympathischen Nachtwächter Justus.
Am vorletzten Tag kamen alle Openhand- Kinder zu uns auf die Straußenfarm.
Nachdem alle ihre Schuhe desinfiziert hatten, um keine Krankheitserreger in die Straußenaufzucht zu tragen, machten wir gemeinsam eine Führung durch das Farmgelände. Vor allem die Anzahl der Strauße war beeindruckend und die Tatsache, dass ein Straußenei ganze 24 Personen sättigen kann!
Anschließend hatten alle die Möglichkeit, wahlweise auf einem Strauß oder einem Pferd zu reiten. Besonders das Straußenreiten begeisterte, weil keiner das schon einmal gemacht hatte.
Zu Mittag gab es Pommes und Fanta für alle, eine willkommene Abwechslung zu dem täglichen Reis, Ugali und Bohnen-Allerlei des Kinderheims. Ganz nebenbei, selbst das Ketchup in Afrika ist anders.
Obwohl weder die Betreuer noch die Kinder von Openhand schwimmen konnten, ließ sich so gut wie keiner die Chance entgehen, nach dem Essen in den Pool der Farm zu springen. Dass manche keine Badekleidung besaßen stellte dabei kein Hindernis dar - Iunice sprang einfach samt ihrem langen Kleid ins Wasser und selbst die Kleinen wurden kurzerhand samt Windel zu ihrem Glück gezwungen.
Auch auf dem „Spielplatz“ der Farm hatten wir viel Spaß. Daniel beeindruckte mit seiner Sportlichkeit, bei der keiner mithalten konnte, und selbst die Betreuer konnten nicht genug vom Schaukeln und Karussell-Fahren bekommen! Es war ein rundum gelungener Tag, der leider viel zu schnell endete.












Der letzte Tag war viel zu schnell gekommen und wir waren noch gar nicht wirklich dafür bereit. Caroline, Kevin und Anne ging es überhaupt nicht gut und sie verbrachten erst einige Zeit auf der Couch und dann im Bett und Selina versuchte, dem kleinen Kevin das Laufen beizubringen. Zum Dank hatten wir den Kindern 2 Kuchen aus dem Supermarkt mitgebracht, die wirklich lecker waren. Zum Abschied hatten die Kinder uns allen Briefe geschrieben, diese machten den Abschied aber nicht einfacher. Relativ schnell flossen die ersten Tränen und wir fielen uns in die Arme. Der Abschied war definitiv viel zu früh und sehr, sehr schwer. Nach einiger Zeit schafften wir es dann doch noch, in den Bus einzusteigen und fuhren an den Flughafen. Der Rückflug war leider genauso lang wie der Hinflug, zudem ging Kevins Gepäck irgendwo verloren und er hatte nur seine Trommel, da diese in Herr Bocks Koffer war. Obwohl wir erst gegen 17 Uhr in Kehl ankamen, waren wir glücklich, unsere Familien wieder in die Arme schließen zu können.

Die Reise war wirklich wunderschön und wir haben die Zeit in Kenia wirklich genossen. Wir vermissen schon die Kinder im Kinderheim und hoffen, dass wir sie so bald wie möglich wieder sehen können, da sie uns alle ans Herz gewachsen sind. Viele neue Eindrücke, Erfahrungen und Freunde konnten wir auf unserer Reise gewinnen und werden sicherlich immer gerne an die Zeit zurückdenken.
Wir bedanken uns bei Familie Dörr, Herrn Bock und all denen, die unsere Reise möglich gemacht haben.